George M. Grow - Gottesbild

Von Dr. Nick B. Grow

 

Die Welt des George Grow ist theomonistisch. Alles in allem ist göttlich. Die Materie insgesamt ist der göttliche Leib und vom göttlichen Geist durchdrungen wie der menschliche Körper durch den menschlichen Geist. In seinen Einzelteilen, als Dinge erfahren, rückt das göttliche Wesen aus unserem Bewusstsein. Es weicht dem dinglichen, dem materiellen Bewusstsein, dem unsere Aufgabe, der Sinn des Lebens, gilt und jeden von uns drängt, die Evolution, als Reizhunger in uns manifestiert. Die Geschichte der Pflanzen, Tiere und Menschen ist die Geschichte des göttlichen, erwachenden Kosmos. Das Universum wächst, bedeutet, Gott wächst. Wenn auch in anderen Relationen als die, die uns vertraut und nahe sind. Je größer eine Lebensart ist, desto mehr Zeit erfordert sein Werden, seine Metamorphose, wenngleich es nicht als länger oder kurzer empfunden wird. Ist der Elefant zwei Jahre trächtig, ist die vergleichsweise winzige Fliege nur wenige Tage schwanger. Der Elefant kann bis zu hundert Jahre alt werden, die Fliege lebt hingegen nur wenige Wochen. Gott ist hundert Milliarden Lichtjahre groß und vierzehn Milliarden Jahre alt, und doch ist er kein alter Mann mit langem Bart, sondern befindet sich in der Adoleszenz. Dementsprechend verspielt und unbekümmert ist der Mensch. Er inspiriert das Universum, wie das Universum ihn inspiriert. Gott kann mit unseren Augen besser sehen. Die physikalischen Gesetze bilden für Mensch und Gott die Grenzen des Möglichen. Leid und Mühsal folgen aus der Tatsache, dass das Erste, Grundlegende und Ewige nicht der Geist ist, wie die seit tausenden Jahren nicht mehr weiterentwickelten Weltreligionen glauben, sondern die Materie. Das gilt für alle Lebewesen, und das gilt auch für Gott, auch wenn es Naturgesetze gibt, die wir noch nicht kennen. Gott kann sich einiger dieser uns unbekannten Naturgesetze bedienen, wenn er dies auch nur sehr selten tut auf unserem Planeten. Darum ist es ratsam, unser Leben nicht an Wundern und göttlichen Offenbarungen auszurichten, sondern auf die Geschichte, die die Menschheit am Faden des Schicksals schreibt. Sogar Kapitalismus und Konsumismus dienen dem Sinn des Lebens. Durch den Warenverkauf gelangen unermessliche Summen und unermessliche Macht in wenige Hände, die dann großartige Dinge ermöglichen wie die alten Pyramiden und Tempeln einst und das moderne Gesundheitssystem und die digitalen Errungenschaften der Gegenwart. Die Geschichte der Menschheit von der Sippe, über den Stamm, das Volk, die Nation bis hin zur Weltgemeinschaft ist die Geschichte des Sinn des Lebens anhand von Auslese, Anpassung und Mutation. Evolution bedeutet die Schaffung besserer, höherer und auch schlankerer, lebendiger Ordnung in allen Bereichen des Lebens. Ordnung in einer physikalischen Formel, in unserer Seele, in der Familie, in der Gesellschaft, in der Politik, oder der Erhalt dieser Ordnung, beginnend bei Hygiene und Reinigung, und auch die Zerstörung dieser Ordnung, um einer höheren Evolutionsstufe und Ordnung Platz zu machen. Religion findet jetzt in jedem statt. Jeder ist an diesen Schicksalsfaden angebunden, in das Universum eingebunden. Jeder ist das Universum selbst, Gott. Somit möge Spiritualität keine Flucht sein vor dem normalen Leben, sondern die Teilnahme am göttlichen Spirit, Geist, Spiel. Indien ist wegen Missachtung der Geschichte und des Wandels der Spiritualität ein einziger Slum. Seinskönnen wie Meditation, Anbetung und Achtsamkeit dienen der Erbauung, um gestärkt in das normale Leben zurückzukehren. Jeder folgt diesem Schicksal von Natur aus, doch wer es kennt, der hat vergleichsweise bessere Karten, um es zu erfüllen und dem, der die Fäden in der Hand hält, zu begegnen, indem er ihnen folgt.

 

George Grows Bücher sind der Zeit voraus, doch bahnt sich heute schon an, was einmal als normal gelten wird. Und weil sich im Grunde alles um den Sinn dreht und nur Ordnung das Chaos minimieren und das wachsende Universum zusammenhalten kann, unterhält uns George Grow mit Innovationen, die uns in, als und für Gott in dieser Welt weiterbringen. Die Bücher des Lebens.

 

Nick B. Grow, Columbia Universität,

Evolutionsbiologie,

August 2021